Aus der Holunder-Küche

An sonnigen Plätzen blüht bereits der Holunder, der Löwenzahn setzt überall fröhliche gelbe Tupfer, und sogar der Salbei hat seine erste Blüten geöffnet - es ist also jetzt ordentlich zu tun in der Kräuterküche!

 

Neben dem Trocknen von Holunderblüten für Tee stehen bei mir drei Rezepte auf dem Programm: Likör, Sirup und bei Lust und Laune auch eine Art Holundersekt. Dafür werden frische, am Besten voll aufgeblühte Holunderblüten verwendet. Da ich biologisch-dynamisch gärtnere oder sie in der freie Natur suche, werden sie nicht gewaschen, nur befallene oder kranke Pflanzen aussortiert und die groben Stängel von den Holunderblüten-Dolden abgeschnitten.

 

Holunderblütenlikör:

Frische Holunderblüten und einige Scheiben einer ungespritzten Zitrone in ein Glas mit Schraubverschluss schichten, mit klarem Alkohol übergießen (mind. 40 Vol.-%, z. B. Grappa oder Vodka) und gut verschließen. 2-4 Wochen an einem hellen, warmen Ort ziehen lassen, gelegentlich schütteln. Abseihen und gut abfiltern. Dann mit Läuterzucker (in Wasser aufgekochtem Zucker) abschmecken, in gut verschließbare Flaschen abfüllen und mind. 6 Monate ruhen lassen - je länger ein Likör ruhen darf, desto besser schmeckt er! Und älter als ein Jahr wird er sowieso selten...

 

Holunderblütensirup:

Frische Holunderblüten und einige Scheiben einer ungespritzten Zitrone mit kaltem Wasser übergießen (Verhältnis 1 : 2) und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag einmal kurz aufkochen und abseihen. Jetzt nach und nach Zucker zugeben und leise köcheln lassen, bis ein gelber Sirup entsteht. Noch heiß in gut verschließbare, heiß ausgespülte Flaschen füllen und gut verschließen; beim Abkühlen entsteht ein Vakuum (man hört es, wenn der Deckel "knackt"), dadurch ist der Sirup gut haltbar.

 

Meine Schwester stellt übrigens auf ganz ähnliche Weise Holunderblütengelee her - sie verwendet dann aber Gelierzucker im Verhältnis Holunderwasser : Gelierzucker = 2 : 1.

 

Das Rezept lässt sich auch mit vielen anderen Blüten zubereiten, wie Schlüsselblumen, Veilchen, Salbei, Löwenzahn, Lavendel, Rosen, Lindenblüten... Je nach Blüte verwendet man ungespritzte Orangen statt Zitronen.

 

Holunderblüten-"Sekt":

4 große Holunderblütendolden mit 500 g Zurcker, 2 EL Weißweinessig und 3,5 l kaltes Wasser in eine große Schüssel (Steingut oder Plastik, kein Metall!) geben. 2 ungespritzte Zitronen auspressen und dann vierteln; Saft und Schale hinzugeben. Mit einem Tuch abdecken und ca. 24 Stunden ziehen lassen, gelegentlich umrühren. Dann Abseihen und in Flaschen mit Schraubverschluss füllen. Maximal 1 Woche an einem nicht zu warmen Ort stehen lassen. Es entsteht ein Gärprozess in den Flaschen und mit der Zeit bilden sich Bläschen - das Zeichen dafür, dass der "Sekt" getrunken werden kann! Er enthält durch die kurze Gärungszeit nur wenig Alkohol, schmeckt ein bisschen wie Holunderblüten-Limonade mit "Pfiff" - und macht richtig gute Laune! Den fertigen "Sekt" bitte kühl stellen und bald aufbrauchen!

 

Zum Abfüllen eignen sich sehr gut "gebrauchte", leicht bauchige Prosecco- oder Cognac-Flaschen.

 

Vorsicht, die Flaschen nicht ganz bis hoch an den Rand füllen - durch den Gärprozess entstehen Gase und ein leichter Druck in der Flasche und sie könnten platzen!

 

Das Original-Rezept ist übrigens mit 750g Zucker, das ist mir aber zu süß - einfach ausprobieren!

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Petra (Donnerstag, 08 November 2012 14:42)

    Hallo!
    Ich liebe diesen Blüten auch! Jedes Jahr wird fleißig Holunderblütensirup angesetzt und Holunderblütenschorle trinken wir schon ewig, so dass ich ganz erstaunt war, dass dieses Jahr ein regelrechter Boom darum war und auf jeder Hütte das plötzlich als das Neueste angeboten wurde...
    Einen Schluck auch in ein Glas Sekt - lecker!
    Ihr Rezept, um daraus ein en prickelnden Holunderblütensekt herzustellen, kannte ich bisher noch nicht; das wird dann im nächsten Frühjahr doch glatt mal ausprobiert. Danke!

  • #2

    Masticating Juicer (Montag, 15 April 2013 14:55)

    This post was precisely what I had been in search of!

  • #3

    manu (Donnerstag, 30 Juli 2015 16:42)

    hallo! meine mama und ich haben versucht löwenzahnsirup herzustellen, auf die gleiche art, wie sie holundersirup herstellt. also mit zucker und zitronenscheiben, so wie oben beschrieben. leider ist uns der sirup ziemlich schnell gegärt und war dann ungenießbar. ich weiß nicht was wir falsch gemacht haben. ist mit "flaschen" eigentlich glas oder plastik gemeint? meine mama füllt den sirup in plastikflaschen, weil ja ein großer druck entsteht durch die gärung. ich bin aber ein großer fan von einmachgläsern, habe es aber noch nicht probiert mit sirup. alles liebe, manu