Apfelbeere

Lange habe ich gerätselt, was das für ein schöner, fast 3 Meter großer Strauch im Garten ist - er hat einen gleichmäßigen Wuchs, setzt früh schöne rötliche Blattknospen an, ist im Mai übersät von weißen Blütenständen, hat glänzende dunkelgrüne Blätter und eine tolle, intensive Herbst-Färbung. Im September glänzen zwischen den Blättern schwere Dolden von großen, schwarzvioletten Beeren, die sich insbesondere bei Amseln großer Beliebtheit erfreuen, einen intensiv färbenden tief-dunkelroten Saft abgeben und herb-säuerlich schmecken, wie eine Mischung aus unreifen Beeren, Kirschen und Roter Beete.

 

In keinem meiner Bücher konnte ich den Strauch finden. Inzwischen weiß ich des Rätsels Lösung: Die Vorbesitzerin des Gartens stammte aus Osteuropa und hat den Strauch wohl von dort mitgebracht - eine Apfelbeere, auch Aronia genannt. Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse fand um 1900 ihren Weg von der Heimat im Osten Nordamerikas nach Russland und erfreut sich bei unseren östlichen Nachbarn großer Beliebtheit.  

 

So begannen auch Forscher der ehemaligen UdSSR damit, die Früchte der Apfelbeere zu erforschen - und zu entdecken, wie gesund sie ist: Aroniabeeren sind vitaminreich, insbesondere enthalten sie Vitamin C, Vitamin E und Provitamin A. Bemerkenswert ist aber ihr Gehalt an Flavonoiden, insbesondere an Anthocyan - es gibt weltweit kaum eine Frucht mit einem vergleichbar hohen Gehalt! Anthocyan ist ein hochwirksames Antioxidans, wirkt also dem sogenannten oxidativen Stress durch freie Radikale entgegen, und wird v. a. in der Krebsforschung unter die Lupe genommen.

 

Apfelbeeren bzw. Aroniabeeren werden in Russland eingesetzt bei Arterienverkalkung, Bluthochdruck, Gastritis und Störungen des Nervensystems. Sie regen Stoffwechsel und Blutbildung an, helfen dem Knochen- und Muskelgewebe, zu regenerieren, und steigern die körpereigenen Abwehrkräfte. Ihre schleimlösende Wirkung empfehlen sie außerdem als Heilmittel bei Bronchitis.

 

In meiner Kräuterküche kommt die Apfelbeere nur gekocht auf den Tisch: Als Saft (funktioniert prima mit einem Dampf-Entsafter!) und als Gelee; denkbar wäre auch ein Fruchtpüree (z. B. zu Wildgerichten), Sirup, Kompott, Marmelade oder ihr Einsatz im Rumtopf. Ich kombiniere die Aroniabeeren mit Brombeersaft - das ergänzt sich wunderbar und ergibt ein herrlich fruchtiges Gelee! Außerdem lassen sich die Früchte - den Schlehen vergleichbar - zu einem herb-süßen Likör verarbeiten; man kann sie auch trocknen oder einfrieren.

 

Als Heilmittel setzt man sie in Form von Saft ein (z. B. zweimal täglich ein Glas über einen Zeitraum von 2 - 3 Wochen, um den Blutdruck zu senken), oder brüht die getrockneten Früchte als Tee auf.

 

Vorsicht ist im Umgang mit der Apfelbeere in zweierlei Hinsicht geboten:

Zum Einen hat ihr Saft eine enorme färbende Wirkung und ließ sich sogar vom hellgrauen Fliesenboden nur schwer entfernen!

Zum Anderen muss man sich sputen, wenn man Aroniabeeren ernten möchte - Scharen von Vögeln ernten sonst den Strauch innerhalb von kürzester Zeit ab!

 

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