Der Gundermann

Glechoma hederacea, Kristian Peters, Wikimedia Commons
Glechoma hederacea, Kristian Peters, Wikimedia Commons

Gundermann (lateinisch Glechoma hederacea), im Volksmund auch Gundelrebe oder Katzenminze genannt, ist als Unkraut weit verbreitet und gefürchtet. Überall gehe die kleinen Ranken auf, bilden teils meterlange Ausläufer, und wuchern Stauden oder kleine Sträucher regelrecht zu, wenn man sie lässt. Auf dem Rasen bildet der Gundermann hübsche blaue Blütenteppiche, die besonders Hummeln und Schmetterlinge lieben - aber auch Ameisen klettern gerne auf Ranken und Blüten herum.

 

Sobald der Schnee weg ist und die ersten Sonnenstrahlen den Boden erwärmen, ist der Gundermann da. Die ersten vereinzelten Blüten zeigt er schon ab März, im April geht es richtig los, und dann blüht er den ganzen Sommer lang.

 

Ich habe lange gebraucht, bis ich mich mit diesem "Unkraut" angefreundet habe. Klar muss ich den Gundermann im Zaun halten - sonst wächst er mir alles zu. Aber ich habe in diesem Fall eine wunderbare Art der Unkrautbekämpfung entdeckt: Vertilgen. Sprich: Essen. Die jungen Blätter - vorzugsweise das obere Drittel der Pflanze - sind sehr würzig und schmecken herrlich im Salat. Die milderen Blüten geben eine schöne, essbare Dekoration ab - für Salate, Rohkost-Teller, aber auch auf Kartoffelpüree. Vom Vitamin C-Gehalt und den verdauungsfördernden Bitterstoffen ganz zu schweigen.

 

In der Volksheilkunde hat der Gundermann eine lange Tradition. Beispielsweise wurde er Kühen verabreicht, die keine Milch geben wollten. Hildegard von Bingen empfahl, bei Ohrensausen gekochten Gundermann aufzulegen. In der TCM empfiehlt man ihn bei Beschwerden von Blase, Dickdarm und Lunge. 

 

In meiner Tee-Sammlung ist der Gundermann vor allem aus einem Grund vertreten: Er hat eine schleimlösende Wirkung, hilft bei Schnupfen und Husten. Auch wenn mich der Heuschnupfen packt und die Nase völlig "zu" ist, lindert Gundermann die Beschwerden. Am Besten hilft er natürlich "frisch". In manchen Rezepten wird er in Milch gekocht statt mit Wasser überbrüht - Gundermann-Milch mit Honig tut bei Schluckbeschwerden richtig gut.

 

Übrigens kam der Gundermann - bevor unsere Vorfahren damit begannen, Hopfen zu kultivieren - bei der Herstellung von Bier zum Einsatz.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Silja (Dienstag, 01 März 2011 18:10)

    Hallo Claudia,
    mir fiel es nicht so schwer mich an den Gundermann/die Gundelrebe zu gewöhnen, sie gehört schon lange zu meinen Lieblingskräutern.
    Trotzdem ist es wieder spannend für mich: anderen schwärme ich von den Kräutern vor und denke selbst im Fall der Fälle nicht daran. Werde deinen Tipp demnächst mal gegen mein Ohrensausen ausprobieren! Vielen Dank für die Erinnerung!
    Silja

  • #2

    Claudia Keck (Mittwoch, 02 März 2011 11:18)

    Hallo, Silja!
    Mir geht es manchmal ganz ähnlich - bei Anderen ist man offensichtlich nicht so betriebsblind wie bei sich selbst.
    Ich habe für dich nochmal bei Hildegard nachgeschlagen: "... so dass auch seine Ohren wie Wasserrauschen tönen, dann soll er Gundelrebe in heißem Wasser kochen und nach Ausdrücken des Wassers warm rund um seinen Kopf packen, ..."
    Viel Erfolg!
    Claudia

  • #3

    Ingrid Bernitz (Dienstag, 26 Juli 2011 13:54)

    Hallo Claudia,
    ich bin jetzt auf den Blog gestoßen, als ich Recherchen zu Gundermann gemacht habe. Mein Mann hat chronischen Schnupfen, festsitzend, gegen den nichts hilft. Ich würde es mal mit Gundermann probieren, aber wie?
    Würde mich sehr über einen Rat freuen.
    Freundliche Grüße von Ingrid Bernitz
    ingrid.bernitz@web.de

  • #4

    Renata (Donnerstag, 02 Juni 2016 23:38)

    Gundermann ist vor allem für Pferde giftig. In der Giftpflanzendatenbank des Ins­titus für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich wird Gundermann als stark giftige Giftpflanze geführt. Es steht auch im Verdacht, für weitere Tiere giftig zu sein.
    Auf unserer Schafweide breitet sich langsam der Gundermann aus, der von der Straße her eingeschleppt wurde. Die Pflanze ist kaum in den Griff zu kriegen und an den Stellen, an denen sie gehäuft wächst ist nach dem Jäten keine andere Pflanze mehr zu finden - da wächst nichts mehr, alles vom Gundermann zerstört ! Deshalb finde ich es sehr leichtsinnig, daß man in der heutigen Zeit immer mehr Empfehlungen liest, dieses Kraut im eigenen Garten zu pflanzen. Den Ärger haben danach ja meistens die anderen ! Was wenn er sich dann auch zB auf eine Pferdeweide ausbreitet ? Schlimm genug finde ich schon, daß er andere Pflanzen total verdrängt. Man sollte vorher nachdenken und mit diesem Kraut sehr vorsichtig umgehen. Es gibt genügend davon in der Natur, da muß es nicht noch im eigenen Garten wachsen.