Das Kräuter-Blog von Claudia Keck

Kräuter sind aus meinem Alltag heute nicht mehr wegzudenken - als Hausmittel, in der Küche, sogar für die Körperpflege. Die mir wichtigsten Kräuter wachsen in meinem kleinen Garten, und manchmal taucht von ganz allein ein neues auf, das mir damit wohl etwas sagen will. Seitdem ich mich auf sie einlasse, habe ich erfahren, dass Kräuter mir viel zu geben haben.

 

Ich bin überzeugt davon, dass in unserer Heimat für Alles ein Kraut wächst – quasi in der Naturapotheke Gottes. Keine Exoten, sondern heimische, teils vergessene Kräuter. 

 

Über "meine" Kräuter und über meine persönlichen Erfahrungen mit ihnen schreibe ich in diesem Blog.

Holunderblüte_Viola Sonans_Wikimedia Commons
Holunderblüte, Viola Sonans, Wikimedia Commons

Do

07

Jul

2011

Lindenblüten

Lindenblüten, ArtMechanic, Wikimedia Commons, some rights reserved
Lindenblüten, ArtMechanic, Wikimedia Commons, some rights reserved

Es ist Hochsaison im Kräutergarten - das Unkraut wuchert, die Kräuter sprießen; alles will gejätet und geerntet und getrocknet und verarbeitet werden.

 

Die letzten Wochen bin ich "auf der Lauer" gelegen - auf Lindenblüten-Lauer. Eine eigene Linde habe ich leider nicht im Garten, dafür ist er zu klein, also muss ich mich "unterwegs" umsehen. Normalerweise blühen die Linden Anfang Juli, aber in diesem Jahr ist alles früher dran als sonst. Und Lindenblüten wollen innerhalb von 3 Tagen nach ihrem Aufblühen an einem trockenen Tag geernet werden. War diesmal gar nicht so einfach, den passenden Zeitpunkt zu erwischen - aber es ist geschafft!

 

Ich liebe den süßen, intensiven Duft von Lindenblüten! Er riecht nach Sommer. Den Bienen geht es übrigens genauso wie mir; sie ernten fleißig den süßen Nektar und stellen daraus den leckeren Lindenblütenhonig her. Mein Auto mag Lindenblüten weniger: Neulich hatte ich keine Wahl, als unter einer Linde zu parken - hinterher klebte alles und es war eine gründliche Wagenwäsche fällig...

 

Man erntet Lindenblüten samt dem "Hochblatt" - das sind helle, längliche Blätter direkt am Blütenstengel, nicht zu verwechseln mit den dunkelgrünen, herzförmigen Lindenblättern. Und das Ganze, wie schon gesagt, innerhalb von 3 Tagen nach dem Aufblühen.

 

In der Volksmedizin sind Lindenblüten vor allem wegen ihrer schweißtreibenden Wirkung bekannt - der Tee wärmt ordentlich durch und hilft daher dem Körper, Erkältungen auszutreiben. Aber die zarten weißen Blüten können noch viel mehr: Lindenblüten senken den Blutdruck, haben eine beruhigende, sedierende Wirkung und stärken die Nerven. Eine Tasse Lindenblütentee hilft beim Einschlafen und kann sogar Spannungskopfschmerzen vertreiben.  

 

Da ich öfter mal stark angespannt bin, entspanne ich meine Nerven mit Lindenblütentee, oder einem Glas Wasser mit Lindenblütensirup. Der wird übrigens nach dem gleichen Prinzip hergestellt wie Holunderblütensirup. Alternativ stellt man eine Lindenessenz als Einschlafhilfe her: Blüten, Blätter und Rinde eines kleinen Astes mit Weißwein übergießen, ca. 14 Tage in einem gut verschlossenen Schraubglas in die Sonne stellen, abfiltern, fertig. Als Dosis genügt ein Likörglas.

 

Ein Absud von Lindenblüten, vermischt mit Rosenwasser, ergibt übrigens ein angenehm duftendes, hautberuhigendes Gesichtswasser.

 

Wichtig zu wissen:

- Die sedierende Wirkung getrockneter Lindenblüten verstärkt sich bei längerer Lagerung; sie sollten also nicht länger als ein Jahr aufbewahrt werden! Wer danach noch einen Vorrat getrockneter Lindenblüten hat, macht einfach einen starken Absud und gibt ihn ins Badewasser - das duftet nicht nur herrlich und entspannt, es pflegt auch die Haut.

- Lindenblüten sind nicht für den Dauergebrauch geeignet - man soll sie nie länger als 14 Tage am Stück einnehmen!

 

Und Vorsicht: Manche Menschen reagieren stärker als andere auf Heilkräuter! Nach dem Genuss von Lindenblüten sollte man also möglichst keine schweren Maschinen mehr bedienen oder Auto fahren - man könnte dabei einschlafen.

 

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So

19

Jun

2011

Die Weinraute

Ruta graveolens 3_Kurt Stüber_Wikimedia Commons_some rights reserved
Ruta graveolens 3, Kurt Stüber, Wikimedia Commons, some rights reserved

An die Weinraute bin ich über meine Mutter gekommen. Sie wurde ihr vor Jahren von einem Heilpraktiker empfohlen. Seither schwört sie darauf und nimmt sie täglich zur Stärkung von Augen und Nerven ein.

 

Die Weinraute ist ein sehr altes Heilkraut. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum, wurde aber bereits im Mittelalter in hiesigen Kräutergärten angesiedelt und galt als wirksamstes Mittel, um negative Kräfte zu vertreiben. In Süddeutschland trifft man sie gelegentlich verwildert in naturnah bearbeiteten, sonnigen Weinbergen an. Wer eine Weinraute in seinem Garten haben möchte, sollte ihr unbedingt einen ausreichenden Winterschutz geben!

 

Weinraute ist eine ausgesprochen würzige Pflanze mit intensivem Duft und einem bitterlichen Geschmack, an den ich mich erst einmal gewöhnen musste. Das gelb blühende Kraut wird im Schatten für Tee bzw. als Räuchermittel getrocknet, oder frisch mit mindestens 40prozentigem Alkohol als Tinktur angesetzt. Das frische Kraut (nicht mehr als 3-4 der kleinen Blättchen täglich!) passt in Suppen und Gemüsegerichte. In Südeuropa wird mit ihm - zwecks besserer Verträglichkeit - fettiges Fleisch sowie Käse, Spinat und Grappa gewürzt.

 

Ein weiterer Name für die Weinraute ist Augenwurz - eine tägliche Dosis Kraut oder Tinktur stärkt die Augen. Weinraute fördert mit ihren ausgeprägten Bitterstoffen die Verdauung und den Schlaf; sie stärkt die Nerven und senkt den Blutdruck. Äußerlich wendet man sie als Kompressen bei Rheuma, Gicht oder Schwellungen nach einer Verletzung an. Weinraute hat eine reinigende Wirkung auf Leber, Nieren und Blase, hilft bei nervösen Störungen, Krämpfen, Schwindelanfällen, Herzklopfen, Atemnot und Magenschmerzen.

 

Hildegard von Bingen empfahl Weinraute, um die Körpersäfte anzuregen, sowie gegen Bluthochdruck und Melancholie. In der TCM kommt sie vor allem bei Beschwerden von Leber, Milz, Lunge und Dickdarm sowie zur Augenstärkung zum Einsatz.

 

Übrigens war der Genuss von Weinraute im Mittelalter für Mönche Pflicht - sie dämpft den männlichen Geschlechtstrieb. Auf Frauen dagegen wirkt sie ausgesprochen anregend.

 

Vorsicht:

- Das ätherische Öl der Weinraute kann Hautreizungen verursachen und die Haut lichtempfindlicher machen!

- Schwangere Frauen sollten die Weinraute meiden, da sie zur Fehlgeburt führen könnte!

 

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So

19

Jun

2011

Thymian

Thymian_thymus vulgaris_Wikimedia Commons
Thymian (thymus vulgaris), Wikimedia Commons

Ich sitze gerade am PC und trinke... Thymian-Tee. Irgendwie ist mir heute danach. Nach dem Temperatursturz gestern - heute nacht waren es im Hohen Westerwald unter 10 ° C - war da dieses Kratzen im Hals. Und da ist frischer Thymian meine erste Wahl.

 

Der Thymian im Garten blüht jetzt zart-violett, duftet herrlich aromatisch und ist bei Bienen und Hummeln ausgesprochen beliebt. Bei mir ebenfalls - Gemüse- und Nudelgerichten verleiht er ein angenehmes, würziges Aroma. Auch an manche Fleischgerichte gebe ich ihn gerne. Man kann aus ihm Sirup und Likör herstellen. Übrigens steht eine Thymianpflanze im Terrakotta-Topf an meinem Küchenfenster - so habe ich die Pflanze schnell griffbereit, und gleichzeitig vertreibt sie lästige Fliegen.

 

Im Volksmund heißt es: "Der nächste Schnupfen kommt bestimmt - doch nicht zu dem, der Thymian nimmt!" Damit wird auf die antiseptischen Eigenschaften der Heilpflanze hingewiesen: In einer Stude hat ätherisches Thymianöl beispielsweise den gefährlichen Typhus-Bazillus in nur 2 Minuten abgetötet! Thymian ist ein klassischer Bestandteil von Heilmitteln gegen Husten und Halsbeschwerden - er wirkt schleimlösend, aktiviert das Immunsystem und fördert den Auswurf.

 

Thymian ist er ein gutes Tonikum - kräftigend und nervenstärkend. Er soll Durchfall hemmen und Melancholie vertreiben. In der TCM setzt man ihn außerdem bei Magen- und Pilzerkrankungen sowie bei Blasenentzündungen ein. Übrigens gilt Thymian als gute Einschleuserpflanze und hilft dem Körper, lebenswichtiges Eisen besser aufzunehmen!

 

Thymiam wird äußerlich - in Form von Bädern oder als Bestandteil von Kosmetika - gerne bei Hautproblemen verabreicht. Bäder und Dampfbäder mit dem ätherischen Thymian-Öl helfen, Erkältungen zu bekämpfen; das ätherische Öl kommt außerdem als Mundspülung bei Zahnfleischproblemen oder als Nasenspülung gegen Schnupfen zum Einsatz. Ein öliger Thymian-Auszug kann als Massageöl bei rheumatischen Beschwerden helfen. Allerdings verträgt nicht jeder Mensch Thymian äußerlich - bei mir beispielsweise verursacht er ein unangenehmes, brennendes Jucken auf der Haut; ich kann ihn daher nur innerlich anwenden. Im Zweifelsfall also bitte die Verträglichkeit von einem Therapeuten abklären lassen!

 

Vorsicht: Thymian ist nicht zur Dauer-Einnahme bzw. -Anwendung gedacht, sonst gewöhnt sich der Körper an ihn und spricht auf das Heilkraut nicht mehr an!

 

In meiner Kräuterküche kommt Thymian - außer als Tee und als Würzkraut - als Tonikum in Form von Thymianwein zum Einsatz: 1 Teil Thymiankraut übergieße ich in gut verschließbaren Schraubgläsern mit 5 Teilen Weißwein (QbA oder Prädikatswein) und stelle ihn ca. 1 Woche lang ans Küchenfenster in die Sonne. Danach wird er abgeseiht und in Flaschen abgefüllt. Bei Bedarf trinke ich ein Likörglas pro Tag.

 

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Do

26

Mai

2011

Salbei

Gestern habe ich mir einen Strauß blühenden Salbei aus dem Garten geholt - ganz behutsam, um die Bienen nicht zu stören. Sie haben diese herrlich duftende Heilpflanze offensichtlich genauso gern wie ich.

 

Salbei hat als Heilkraut eine lange Tradition. "Warum sollte der Mensch sterben, dem Salbei im Garten wächst?", hieß es bei den alten Römern. Während der Pest-Epidemien im Mittelalter rieben sich Plünderer den sogenannten "Vier-Diebe-Essig" ein, um sich vor Ansteckung zu schützen; dazu wurden Salbei, Thymian, Lavendel und Rosmarin in Essig eingelegt. Das alles hat seine Ursache in der keimtötenden Wirkung der Pflanze. Salbei, Salvia officinalis, wird abgeleitet vom lateinischen salvare (heilen) bzw. salvere (gesund sein).

 

Hildegard von Bingen empfahl, pulverisierten Salbei zu essen, um die "schlechten Säfte" zu regulieren. Auch gegen Mundgeruch und Lähmungserscheinungen hat sie Rezepturen mit Salbei. Sehr schön finde ich auch dieses Rezept: Salbei und Rose zu gleichen Teilen im Mörser zerstoßen, in ein gut verschließbares Gefäß füllen und bei Bedarf daran riechen, als eine Art Aromatherapie gegen Trübsinn. "Die Rose tröstet, Salbei erfreut das Herz."

 

Salbei kann sehr vielseitig eingesetzt werden: In Essig eingelegt als kräftigende Haarspülung. In der Küche als Gewürz, um fettes Fleisch besser verträglich zu machen. Sehr lecker sind auch Salbei-Kücherl, in Omelette-Teig ausgebackene Salbeiblätter.  

 

Innerlich als Tee angewandt, wirkt Salbei schweißhemmend und Harn-regulierend, fördert Auswurf und Menstruation, regt Magen und Galle an, hilft bei Blähungen und hemmt Durchfall. Seine keimtötende Wirkung machen ihn zu einem ausgezeichneten Mittel zum Gurgeln und für Zahnspülungen - er kräftigt Zähne und Zahnfleisch, stärkt die Schleimhäute und hilft gegen Halsentzündungen, auch vorbeugend. Man kann - als Zahnpflege oder um Infektionen vorzubeugen - auch regelmäßig die rohen Blätter kauen.

 

Äußerlich wird Salbei bei der Heilung von Wunden und Narben eingesetzt. Ein Bad mit in Wein gekochtem Salbei stillt Juckreiz. 

 

Achtung:

Das ätherische Öl des Salbeis enthält giftiges Thujon und kann daher nur äußerlich angewandt werden!

Schwangere Frauen sollten auf die Anwendung von Salbei prinzipiell verzichten!

 

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Do

19

Mai

2011

Aus der Holunder-Küche

An sonnigen Plätzen blüht bereits der Holunder, der Löwenzahn setzt überall fröhliche gelbe Tupfer, und sogar der Salbei hat seine erste Blüten geöffnet - es ist also jetzt ordentlich zu tun in der Kräuterküche!

 

Neben dem Trocknen von Holunderblüten für Tee stehen bei mir drei Rezepte auf dem Programm: Likör, Sirup und bei Lust und Laune auch eine Art Holundersekt. Dafür werden frische, am Besten voll aufgeblühte Holunderblüten verwendet. Da ich biologisch-dynamisch gärtnere oder sie in der freie Natur suche, werden sie nicht gewaschen, nur befallene oder kranke Pflanzen aussortiert und die groben Stängel von den Holunderblüten-Dolden abgeschnitten.

 

Holunderblütenlikör:

Frische Holunderblüten und einige Scheiben einer ungespritzten Zitrone in ein Glas mit Schraubverschluss schichten, mit klarem Alkohol übergießen (mind. 40 Vol.-%, z. B. Grappa oder Vodka) und gut verschließen. 2-4 Wochen an einem hellen, warmen Ort ziehen lassen, gelegentlich schütteln. Abseihen und gut abfiltern. Dann mit Läuterzucker (in Wasser aufgekochtem Zucker) abschmecken, in gut verschließbare Flaschen abfüllen und mind. 6 Monate ruhen lassen - je länger ein Likör ruhen darf, desto besser schmeckt er! Und älter als ein Jahr wird er sowieso selten...

 

Holunderblütensirup:

Frische Holunderblüten und einige Scheiben einer ungespritzten Zitrone mit kaltem Wasser übergießen (Verhältnis 1 : 2) und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag einmal kurz aufkochen und abseihen. Jetzt nach und nach Zucker zugeben und leise köcheln lassen, bis ein gelber Sirup entsteht. Noch heiß in gut verschließbare, heiß ausgespülte Flaschen füllen und gut verschließen; beim Abkühlen entsteht ein Vakuum (man hört es, wenn der Deckel "knackt"), dadurch ist der Sirup gut haltbar.

 

Meine Schwester stellt übrigens auf ganz ähnliche Weise Holunderblütengelee her - sie verwendet dann aber Gelierzucker im Verhältnis Holunderwasser : Gelierzucker = 2 : 1.

 

Das Rezept lässt sich auch mit vielen anderen Blüten zubereiten, wie Schlüsselblumen, Veilchen, Salbei, Löwenzahn, Lavendel, Rosen, Lindenblüten... Je nach Blüte verwendet man ungespritzte Orangen statt Zitronen.

 

Holunderblüten-"Sekt":

4 große Holunderblütendolden mit 500 g Zurcker, 2 EL Weißweinessig und 3,5 l kaltes Wasser in eine große Schüssel (Steingut oder Plastik, kein Metall!) geben. 2 ungespritzte Zitronen auspressen und dann vierteln; Saft und Schale hinzugeben. Mit einem Tuch abdecken und ca. 24 Stunden ziehen lassen, gelegentlich umrühren. Dann Abseihen und in Flaschen mit Schraubverschluss füllen. Maximal 1 Woche an einem nicht zu warmen Ort stehen lassen. Es entsteht ein Gärprozess in den Flaschen und mit der Zeit bilden sich Bläschen - das Zeichen dafür, dass der "Sekt" getrunken werden kann! Er enthält durch die kurze Gärungszeit nur wenig Alkohol, schmeckt ein bisschen wie Holunderblüten-Limonade mit "Pfiff" - und macht richtig gute Laune! Den fertigen "Sekt" bitte kühl stellen und bald aufbrauchen!

 

Zum Abfüllen eignen sich sehr gut "gebrauchte", leicht bauchige Prosecco- oder Cognac-Flaschen.

 

Vorsicht, die Flaschen nicht ganz bis hoch an den Rand füllen - durch den Gärprozess entstehen Gase und ein leichter Druck in der Flasche und sie könnten platzen!

 

Das Original-Rezept ist übrigens mit 750g Zucker, das ist mir aber zu süß - einfach ausprobieren!

 

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Sa

14

Mai

2011

Melisse

Alles grünt und sprießt im Kräutergarten, auch wenn der dringend benötigte Regen weiter auf sich warten lässt. Aber die kleine "Dusche" mit dem Gartenschlauch hat meinen Kräutern sichtlich gut getan, und so hat sich seit diesem Foto meine neue kleine Melisse mehr als verdoppelt.

 

Die Melisse, auch Zitronenmelisse genannt, ist sicher eines der bekanntesten Kräuter. Sie darf in keinem Kräuterbuch fehlen und gilt auch wissenschaftlich als gut erforscht. Ich habe sie als Kind kennen gelernt, weil meine Mutter uns gerne frisch geernteten Melissen-Tee vorgesetzt hat, ob kalt oder heiß - ich liebe diesen feinen Geschmack und den zitronen-ähnlichen Duft noch heute. Die kleinen Blüten, die sich im Sommer entwickeln, werden von Bienen geliebt - deshalb hieß die Melisse bei den alten Griechen auch Bienenblatt.

 

Melisse lässt sich vielseitig anwenden:

In der Dessert-Küche dienen die Blätter der Melisse oft als essbare Dekoration. Sie verleiht Hühnerbrühe eine besondere Würze. Und es lässt sich aus ihr ein leckerer Sirup herstellen.

Das ätherische Öl der Melisse wird gerne in Bädern und bei Massagen eingesetzt - es duftet angenehm, aber nicht zu stark, beruhigt und entspannt, und es wird üblicherweise auch von Allergikern gut vertragen.

In der Phytotherapie kommt die Melisse bei nervösen Störungen und bei Bluthochdruck zum Einsatz. Ihre dezenten Bitterstoffe empfehlen sie bei Verdauungsstörungen - Melisse beruhigt den Magen und regt die Verdauungssäfte an. Außerdem kann sie krampflindernd wirken und bei Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Herzklopfen und Ohrensausen helfen. Auch Schwangere dürfen Melisse anwenden.   

 

Eingenommen wird Melisse (Blätter und Blüten) meist als Tee. Man kann sie aber auch gut mit Alkohol ansetzen und - wie den beliebten Melissengeist - verdünnt zu sich nehmen. Ich setze frische Melisse mit 40prozentigem Grappa oder Vodka in einem Glas mit Schraubverschluss an, das dann 2-4 Wochen an einem sonnigen Plätzchen unter gelegentlichem Schütteln ziehen darf, vorzugsweise von Vollmond zu Vollmond. Dann seihe ich die Tinktur durch ein Baumwolltuch ab und fülle sie in gut verschließbare, dunkle Fläschchen. Als Dosis nehme ich einen Esslöffel Tinktur, mit 4 Teilen Wassern verdünnt, nach dem Essen ein.

 

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Do

05

Mai

2011

Apfelbeere

Lange habe ich gerätselt, was das für ein schöner, fast 3 Meter großer Strauch im Garten ist - er hat einen gleichmäßigen Wuchs, setzt früh schöne rötliche Blattknospen an, ist im Mai übersät von weißen Blütenständen, hat glänzende dunkelgrüne Blätter und eine tolle, intensive Herbst-Färbung. Im September glänzen zwischen den Blättern schwere Dolden von großen, schwarzvioletten Beeren, die sich insbesondere bei Amseln großer Beliebtheit erfreuen, einen intensiv färbenden tief-dunkelroten Saft abgeben und herb-säuerlich schmecken, wie eine Mischung aus unreifen Beeren, Kirschen und Roter Beete.

 

In keinem meiner Bücher konnte ich den Strauch finden. Inzwischen weiß ich des Rätsels Lösung: Die Vorbesitzerin des Gartens stammte aus Osteuropa und hat den Strauch wohl von dort mitgebracht - eine Apfelbeere, auch Aronia genannt. Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse fand um 1900 ihren Weg von der Heimat im Osten Nordamerikas nach Russland und erfreut sich bei unseren östlichen Nachbarn großer Beliebtheit.  

 

So begannen auch Forscher der ehemaligen UdSSR damit, die Früchte der Apfelbeere zu erforschen - und zu entdecken, wie gesund sie ist: Aroniabeeren sind vitaminreich, insbesondere enthalten sie Vitamin C, Vitamin E und Provitamin A. Bemerkenswert ist aber ihr Gehalt an Flavonoiden, insbesondere an Anthocyan - es gibt weltweit kaum eine Frucht mit einem vergleichbar hohen Gehalt! Anthocyan ist ein hochwirksames Antioxidans, wirkt also dem sogenannten oxidativen Stress durch freie Radikale entgegen, und wird v. a. in der Krebsforschung unter die Lupe genommen.

 

Apfelbeeren bzw. Aroniabeeren werden in Russland eingesetzt bei Arterienverkalkung, Bluthochdruck, Gastritis und Störungen des Nervensystems. Sie regen Stoffwechsel und Blutbildung an, helfen dem Knochen- und Muskelgewebe, zu regenerieren, und steigern die körpereigenen Abwehrkräfte. Ihre schleimlösende Wirkung empfehlen sie außerdem als Heilmittel bei Bronchitis.

 

In meiner Kräuterküche kommt die Apfelbeere nur gekocht auf den Tisch: Als Saft (funktioniert prima mit einem Dampf-Entsafter!) und als Gelee; denkbar wäre auch ein Fruchtpüree (z. B. zu Wildgerichten), Sirup, Kompott, Marmelade oder ihr Einsatz im Rumtopf. Ich kombiniere die Aroniabeeren mit Brombeersaft - das ergänzt sich wunderbar und ergibt ein herrlich fruchtiges Gelee! Außerdem lassen sich die Früchte - den Schlehen vergleichbar - zu einem herb-süßen Likör verarbeiten; man kann sie auch trocknen oder einfrieren.

 

Als Heilmittel setzt man sie in Form von Saft ein (z. B. zweimal täglich ein Glas über einen Zeitraum von 2 - 3 Wochen, um den Blutdruck zu senken), oder brüht die getrockneten Früchte als Tee auf.

 

Vorsicht ist im Umgang mit der Apfelbeere in zweierlei Hinsicht geboten:

Zum Einen hat ihr Saft eine enorme färbende Wirkung und ließ sich sogar vom hellgrauen Fliesenboden nur schwer entfernen!

Zum Anderen muss man sich sputen, wenn man Aroniabeeren ernten möchte - Scharen von Vögeln ernten sonst den Strauch innerhalb von kürzester Zeit ab!

 

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Do

28

Apr

2011

Schafgarbe

Achillea millefolium, Kristian Peters, Wikimedia Commons, some rights reserved
Achillea millefolium, Kristian Peters, Wikimedia Commons, some rights reserved

Nach dem lang ersehnten Regen gestern kann man jetzt im Garten den Pflanzen beim Wachsen zusehen. An einer Stelle bilden die zarten, gefiederten Blätter der Schafgarbe einen kleinen grünen Teppich.

 

Im Lateinischen hat die Schafgabe einen kriegerischen Namen: Achillea millefolium wird abgeleitet vom trojanischen Kriegshelden Achilles, der der Sage nach Kampfwunden mit Schafgarbe behandelte. Millefolium steht für die vielen "tausend" kleinen weißen Blüten, aus denen sich der Blütenkopf zusammensetzt.

 

Die Schafgarbe ist ein wichtiges Heilkraut in der Volksheilkunde und in vielen Teemischungen zuhause. Blüten, Stängel und Blätter können als Tee oder Tinktur zubereitet werden; manche stellen aus der Pflanze auch einen (gepressten) Frischsaft her. Die jungen Blätter sind eine mild-würzige und gesunde Zugabe in Salat, Kräuter-Quark, Brotaufstrichen oder Suppen. Aus den Blüten lässt sich ein aromatischer Sirup herstellen.

 

Auch an trockenen, steinigen Standorten wächst Schafgarbe problemlos; wenn man sie lässt, siedelt sie sich an dem für sie geeignetsten Platz an. Bei mir im Garten hat sie sich einen Platz am Südhang ausgesucht, unterhalb von einem großen Stein - an dieser recht trockenen Stelle wollte nichts anderes wachsen, aber sie gedeiht prächtig.

Schafgarbe braucht viel Sonne, und Staunässe mag sie überhaupt nicht - auf sumpfigen Wiesen sucht man sie also vergeblich. Wenn es ihr an einem Standort besonders gut gefällt, verfärben sich ihre weißen Blüten rosa - und dann sollen sie über eine besonders gute Heilwirkung verfügen.

 

Die Schafgarbe ist ein ausgesprochenes Frauenkraut - sie hilft bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden sowie bei typischen Frauenleiden und kann für Scheidenspülungen eingesetzt werden. Schafgarbe lindert Verdauungsbeschwerden und regt den Gallenfluss an. Gegen pochende Kopfschmerzen kommt sie ebenfalls an. Außerdem spricht man der Schafgarbe eine antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung zu, was sie ihren Einsatz in der Wundbehandlung erklärt. Im Volksmund heißt sie daher auch Blutstillkraut oder Wundkraut.

 

Äußerlich angewandt - als Auflage, Gesichtswaschung oder Gesichtsdampfbad - kann die Schafgarbe bei Hautproblemen wie unreiner Haut, Akne und sogar Schuppenflechte helfen. Ein Schafgarben-Absud im Badewasser soll Gicht, Rheuma und Krampfaderschmerzen lindern.

 

Übrigens: Die alpine Variante der Schafgarbe heißt Speik; sie hat einen unvergleichlich intensiven, würzigen Duft und steht unter strengem Artenschutz.

 

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Do

28

Apr

2011

Erfrischendes Frühlingsgetränk

Einfach mal zwischendurch zum Probieren:

 

Junge Pfefferminzblätter (am besten frisch aus dem Garten) mit heißem Wasser aufbrühen, 5 Min. ziehen lassen, abseihen und abkühlen lassen. Mit einem Schuss Limettensaft (Zitronensaft geht auch) und Holunderblütensirup abschmecken. Wer mag, tut noch ein paar Eiswürfel hinein und garniert das Getränk mit einem frischen Pfefferminzblatt. Schmeckt herrlich erfrischend und tut gut!

 

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Do

21

Apr

2011

Die Gründonnerstagssuppe

Gehört in die Gründonnerstagssuppe: Brennessel, Forry, www.piqs.de, some rights reserved
Gehört in die Gründonnerstagssuppe: Brennessel, Forry, www.piqs.de, some rights reserved

Vermutlich schon vor dem 14. Jahrhundert gab es den Brauch, am Gründonnerstag  grünes Gemüse zu essen - Grünkohl, Salate, junge Triebe und natürlich frische Kräuter. Der Gründonnerstag, der Gedenktal für das erste Abendmahl, leitet die Oster-Feiertage ein, und damit das Ende der Fastenzeit.

Die Tradition der Gründonnerstagssuppe beruht auf dem Glauben, dadurch die Kraft des Frühlings und seine Heilwirkung aufzunehmen, als Start in ein gesundes Jahr. Tatsächlich hat die Kräutersuppe mit ihren gesunden Zutaten eine vitalisierende und entschlackende Wirkung. Ähnlich verhält es sich auch mit der Frankfurter Grünen Soße, die prima zu hart gekochten Ostereiern passt.

 

Drei mal drei Pflanzen kommen traditionell in die Gründonnerstagssuppe. Diese Formel stammt noch von den Kelten. Drei war eine magische und heilige Zahl – bei den Christen ist es die Zahl der Heiligen Dreifaltigkeit.

 

Die verwendeten neun Kräuter variieren je nach Region, und richten sich natürlich auch danach, wie früh oder spät Ostern ist, wie das Wetter war und wie weit das Wachstum in der Natur schon fortgeschritten ist. Wichtig ist es, die neun Kräuter erst zu hacken, kurz bevor sie in den Topf kommen, um möglichst viele Inhaltsstoffe zu erhalten. Außerdem sollten sie möglichst in freier Natur gesammelt werden.

 

Mögliche Kräuter für die Gründonnerstagssuppe sind:

-          Als Grundlage Giersch, Brennessel, Schafgarbe, Brunnenkresse, Wiesenbärenklau, Vogelmiere oder Löwenzahn.

-          Dazu passen Bärlauch, Kerbel, Dill, Petersilie, Schnittlauch, Bibernelle, Wiesenlabkraut, Sauerampfer, Sauerklee, Tripmadam, Gänseblümchen, Knoblauchrauke, Rauke, Liebstöckel, Wegwarte, Gundermann, Thymian oder Salbei.

Als Faustregel nimmt man eine Handvoll pro Kraut; sehr würzige Kräuter wie Liebstöckel, Thymian oder Salbei kann man auch etwas maßvoller dosieren.

 

Als Grundrezept kann eine Kartoffelsuppe dienen: Mehlige Kartoffeln werden gekocht, geschält und zu „Schnee“ gepresst oder in kleine Würfel geschnitten. Dann wird eine mittelgroße Zwiebel in feine Würfel geschnitten und in einem guten Pflanzenöl (z. B. kaltgepresstes Rapsöl) angebraten. Jetzt kommen die Kartoffeln hinein, dann die fein gehackten Kräuter und das Ganze wird mit Gemüsebrühe (in manchen Rezepten mit Quellwasser) aufgegossen. Abgeschmeckt wird mit Salz, Pfeffer, Muskat und einem Schuss Sahne, um fettlösliche Vitamine aufzuschließen. Wer mag, püriert seine Gründonnerstagssuppe mit dem Zauberstab, damit sie schön schaumig wird, und garniert sie mit frischen Blüten (Gänseblümchen, Veilchen oder Gundermann) und einem Klecks Sahne.

 

Guten Appetit, und einen guten Start in die Osterwoche!

 

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Fr

15

Apr

2011

Schlüsselblumen

Ein weiterer blühender Frühlingsbote unter den Heilkräutern sind die Schlüsselblumen. Himmelsschlissili hießen sie bei uns zuhause. Kleine Himmelsschlüssel. Der Sage zufolge entstand die Pflanze, als Petrus die Schlüssel zum Himmelstor versehentlich auf die Erde fallen ließ.

 

Schlüsselblumen waren einmal für die Zubereitung von Schlüsselblumenwein und -sirup so beliebt, dass sie fast ausgerottet wurden. Daher steht die primula officinalis, wie sie botanisch heißt, heute unter Naturschutz und darf in freier Natur nicht gepflückt werden. Ich habe das Glück, dass ich vor Jahren von einem netten älteren englischen Herrn einen Ableger geschenkt bekam. Dann hieß es, geeignete Standorte auszuprobieren - und jetzt wachsen die Schlüsselblumen brav in meinem Kräutergarten, am großen Hang neben dem Johanniskraut, und vermehren sich redlich. Dünger mögen sie übrigens gar nicht.

 

Neben der Tatsache, dass sie für Bienen und Hummeln eine leckere Frühlingsspeise ist, hat die Schlüsselblume eine bei mir sehr geschätzte medizinische Wirkung: Sie ist das beste Mittel, das ich kenne, im Falle von entzündeten bzw. verstopften Nasen- und Stirnnebenhöhlen! Auch gegen Spannungskopfschmerzen und Husten helfen die zarten Pflanzen. So zart sie sind - sie "räumen" ordentlich auf!

 

Verwendet werden bei mir in erster Linie die Blüten samt Blütenkelchen; in der Phytotherapie kommen auch Blätter und Wurzeln der Schlüsselblume zum Einsatz. Nach der schonenden Trocknung (Vorsicht, bei zuviel Sonne oder Schatten verfärben sie sich!) bewahre ich sie in einem Schraubglas auf (dunkel und trocken). Eine geeignete Mischung bei Erkältung ist z. B. Pfefferminze mit Gundelrebe und Schlüsselblume, oder Zitronenmelisse mit Thymian und Schlüsselblume (Ziehzeit 5 Minuten). Wer mag, gibt noch etwas Honig in den Tee - das tut dem gereizten Hals gut.

 

Hildegard von Bingen empfahl Schlüsselblume gegen Traurigkeit, Wassersucht und Skorbut sowie gegen Verstopfung von Leber und Milz. In der TCM ist die Pflanze dem Herzen zugeordnet und wird bei Schlafproblemen sowie Rheuma eingesetzt. In Wein gekochte Wurzeln und Blüten sollen bei Schlaganfall und Gicht helfen.

 

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Do

07

Apr

2011

Frühlingskräuter in der Küche

Frühlingserwachen im Kräutergarten
Frühlingserwachen im Kräutergarten

Es ist jetzt ganz eindeutig Frühling, und das macht mir immer Appetit auf Frisches. Heimisches Obst gibt es jetzt noch nicht, Gemüse nur aus dem Frühbeet (der erste Kopfsalat, die ersten Radieschen). Also greife ich gerne auf frisch aus dem Garten geerntete Kräuter zurück, um meinen Speiseplan zu bereichern.

 

Manchmal wird zuerst geerntet und dann überlegt, was damit geschieht; manchmal wird gezielt für die nächste Mahlzeit geerntet. Ein paar leckere Anregungen zum Kochen mit Kräutern, die ich beim Stöbern entdeckt oder einfach ausprobiert habe, möchte ich in diesem Blog nicht vorenthalten:

 

Kräuter-Spinat

Blattspinat, frisch oder aus dem Gefrierfach, mit Brennesseln, Vogelmiere und/oder jungem Giersch mischen, im Verhältnis Spinat : Kräutern etwa 1 : 1. Angeschwitzte Zwiebelwürfel dazu, ein Klecks Sahne dran, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Lecker zu Salzkartoffeln und Spiegelei.

 

Frauenmantel-Frischkäse

1 Packung Frischkäse mit ca. 10 jungen, fein gehackten Frauenmantel-Blättern vermischen, mit Salz Pfeffer und Senf abschmecken. Als Brotaufstrich oder zum Salat.

Statt Frauenmantel ruhig auch mal junge Schafgarbenblätter oder Vogelmiere ausprobieren!

 

Kräuterquark

500 g Quark mit etwas Wasser glatt rühren, mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskatnuss abschmecken. 1 Handvoll klein gehackte Kräuter aus dem Garten (z. B. Sauerampfer, Bibernelle, junger Giersch, junger Gundermann, Vogelmiere, junge Schafgarbe) untermischen, mind. 1 Std. ziehen lassen. Wer mag, streut noch ein paar frisch geerntete Blüten von Gänseblümchen, Veilchen oder Gundermann darüber. Passt wunderbar zu Pellkartoffeln!

 

Gänseblümchen-Salat

2 Handvoll Blätter und Blüten vom Gänseblümchen gründlich reinigen. 1 kleinen Bund Radieschen raspeln. Alles mit zwei hartgekochten, grob gewürfelten Eiern vermischen. Dazu passt ein Dressing aus mildem Essig, Färberdistelöl, Schnittlauch, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker.

 

Gänseblümchen-Kapern

Die Kapern für Königsberger Klopse oder Geflügel-Frikassee einfach mal selber machen: 2 Handvoll Gänseblümchen-Knospen 24 Std. lang in Salzwasser einlegen, abseihen. Mit heißem Wasser kurz (!) abspülen und in ein Glas füllen. Die Knospen mit ca. 1/2 l mildem Essig (z. B. Apfelessig) übergießen und fest verschließen. 2 Wochen ziehen lassen.

 

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Mo

04

Apr

2011

Giersch

Giersch und Frauenmantel
Giersch und Frauenmantel

Eine der Pflanzen, die jetzt im Garten explosionsartig sprießen, ist der Giersch. In einem meiner Kräuterbücher steht: "Der Giersch ist ein gefürchtetes Unkraut". Das ist wahr. Ungefragt hat er sich in meinem kleinen Frauenmantel-Beet vor der Thuja-Hecke breit gemacht, und jetzt kämpfen die beiden Kräuter tapfer um die Vorherrschaft. Der Giersch ist etwas früher dran und hat daher anfangs die Übermacht, aber im Laufe des Frühlings wird dann der Frauenmantel wieder stärker. Die beiden unterschiedlichen Blätter ergeben einen hübschen Anblick - und verdecken praktischerweise alles Andere, was da wachsen will.

 

Viele laufen zum Gärtner und holen sich speziell gegen Giersch entwickelte Herbizide, um der Lage Herr zu werden. Da ich biologisch-dynamisch gärtnere, ist das für mich indiskutabel. Also habe ich im Falle Giersch eine ganz andere Art der Unkrautvertilgung gefunden: Essen!

 

Giersch ist neben der Brennessel eines der ältesten Wildgemüse in unseren Breitengraden. Geschmacklich liegt er irgendwo zwischen Petersilie, Liebstöckel und Sellerie, kann also wunderbar als Würzkraut in Suppen, Eintöpfen und Gemüse-Gerichten eingesetzt werden. Auch ergibt er einen sehr würzigen Spinat - aufgrund dieser Würze empfehle ich, ihn mit "richtigem" Spinat und/oder mit Brennesseln zu mischen. Die jungen Blätter schmecken prima im Salat.

 

Giersch wird auch Erdholler, Geißfuß oder Zipperleinkraut genannt. Tatsächlich ähneln seine Blätter ein wenig dem Holunder. Zipperlein und auch der lateinische Name Aegopodium podagraria (von podagra - Gicht) beziehen sich auf seine Heilwirkung: Eine Giersch-Abkochung als Kräuterwickel und auch ein Tee aus Giersch-Blättern sollen bei Gicht  helfen. Und der frische Blattsaft ist eine Erste-Hilfe-Maßnahme bei Insektenstichen (einfach ein Blatt über die betroffene Stelle reiben).  

 

Vorsicht: Giersch-Blätter ähneln ebenfalls dem giftigen Schierling - also im Zweifelsfall bitte einen Experten zur Bestimmung hinzuziehen!

 

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Sa

26

Mär

2011

Die Vogelmiere

André Karwath, Chickweed, Wikimedia Commons, some rights reserved
André Karwath, Chickweed, Wikimedia Commons, some rights reserved

Die Vogelmiere ist eine der Pflanzen, die es fast auf der ganzen Welt gibt - sie ist ähnlich verbreitet wie der Löwenzahn. Die unscheinbare kleine Pflanze ist ein richtiges Unkraut - jäten ist fast zwecklos; hat sie einmal Fuß gefasst, kommt sie immer wieder. Vogelmiere wächst fast überall - im Garten, an Wegen, auf Feldern, im Wald, in Weinbergen, auf Schuttplätzen...  

 

Die Heilkraft der nur wenige Zentimeter großen Pflanze mit ihren winzig kleinen, weißen Blüten war lange vergessen. Erst durch Pfarrer Kneipp gewann sie wieder an Bedeutung - er empfahl sie aufgrund ihrer schleimlösenden Wirkung vor allem als Hustenmittel. In der TCM wird sie bei Verdauungsstörungen eingesetzt.

 

Vogelmiere wirkt hustenstillend, harntreibend, schleimlösend, antiviral und äußerlich heilend. Sie ist - wie Brennessel und Löwenzahn - ideal für eine Frühjahrskur, ob als Beigabe zum Salat oder im Spinat. Das Kraut enthält viel Chrlorophyll, Mineralien, Vitamin C und Phosphor. Der Tee wirkt blutreinigend und hilft bei Nieren- und Blasenleiden; der rohe Saft tut der Leber gut und hilft bei chronischer Verstopfung. In der Phytotherapie setzt man Vogelmiere außerdem - roh oder als Absud bzw. Bad - für die Wundheilung und bei Hauterkrankungen ein.

 

Bei mir kommt die Vogelmiere in erster Linie in den Salat, als Teil meiner jährlichen Frühlingskur.

 

Übrigens mögen auch Haustiere wie Hühner und Ziervögel die Vogelmiere gerne - sie ist eine gesunde Ergänzung zum Fertigfutter.

 

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Sa

26

Mär

2011

Frühlingskur

In Natur und Garten sprießt es jetzt überall. Die vielen jungen Kräuter sind ideal für eine Frühlingskur - quasi um die Schlacken des Winters auszuschwemmen. Ich esse jetzt täglich eine Portion Salat, den ich mit frischen jungen Kräutern würze, die ich kurz vorher sammle: Junge Löwenzahn-Blätter, jede Menge Vogelmiere, Gänseblümchen, Giersch, Gundermann, Schafgarbe, Sauerampfer, Veilchen, Schlüsselblumen und Bibernelle - was mir gerade so vor die Füße kommt. Das "putzt" ordentlich durch, tut gut, sieht schön aus und schmeckt.

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Fr

18

Mär

2011

Ysop

Hyssopus officinalis, Armin Jagel, Wikimedia Commons, some rights reserved
Hyssopus officinalis, Armin Jagel, Wikimedia Commons, some rights reserved

Ysop ist (noch) nicht in meinem Kräutergarten zuhause, steht aber auf meiner Wunschliste. Von seinen Schnittblumen-Qualitäten und dem angenehmen Duft (der oft in Parfums eingesetzt wird) einmal ganz abgesehen, ist Ysop gutes "Futter" für Bienen und Schmetterlinge. Nicht umsonst hat ihm der Volksmund den Namen Bienenkraut gegeben. Und er ergibt einen wohlschmeckenden, mild-würzigen Tee.

 

Bei Hildegard von Bingen wird der Ysop als Gewürzkraut sowie zur Behandlung von Leber-Leiden empfohlen, und zwar gekocht oder pulverisiert. "Wenn die Leber infolge der Traurigkeit des Menschen krank ist, soll er junge Hühner mit Ysop kochen und er esse oft, sowohl den Ysop als auch die jungen Hühner."

 

Ysop enthält neben ätherischem Öl Gerb- und Bitterstoffe. Er wirkt schleimlösend und schweißhemmend, anregend und blutdrucksteigernd sowie antibiotisch. Forscher haben festgestellt, dass der Schimmelpilz, aus dem man Penicillin gewinnt, auf Ysop-Blättern wächst.

 

Die "reinigende" Wirkung des Ysop wird schon in der Bibel erwähnt. Mit Ysop wurden Tempel gereinigt und Aussätzige behandelt. Im Mittelalter nutzte man ihn als Streukraut zur Hausreinigung.

 

Außerdem stärkt Ysop-Tee die Nerven, hilft bei depressiven Verstimmungen, bei Blähungen und Menstruationsschmerzen sowie bei Infektionen des Nasen- und Rachenraumes (gurgeln!) und bei Asthma. In der TCM ist Ysop Nieren, Dickdarm und Lunge zugeordnet. Als Kompresse aufgelegt, soll er auch bei blutunterlaufenen Augen ("Veilchen") helfen.

 

Seine reinigende Wirkung auf die Atemwege mache ich mir gerade zunutze und trinke täglich Ysop-Tee. Mit den Frühblühern hat bei mir nämlich der Heuschnupfen eingesetzt. Und jetzt probiere ich aus, ob mir dieses Kraut hilft, statt einfach Antihistamine zu schlucken.

 

Das ätherische Öl des Ysop kann gut in Duftlampen eingesetzt werden; es wirkt konzentrationsfördernd und stimmungsaufhellend. Auch im Badewasser entfaltet es diese Wirkung.   

 

Ein Tipp zum Ausprobieren: Ysop-Badezusatz

4 EL Ysopblüten (frisch oder getrocknet) in ein Glas mit Schraubverschluss geben, mit 1/4 Liter Apfelessig übergießen und 2 Wochen lang an einem kühlen Platz ziehen lassen. Abseihen und in ein sauberes, verschließbares Gefäß füllen. Reicht für zwei Vollbäder.

 

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Mo

07

Mär

2011

Frauenmantel

Die Gartensaison hat begonnen, und das erste Unkraut will gejätet werden. Neben ganz normalem Gras und der bereits erwähnten Gundelrebe bin ich dabei auf ein Heilkraut gestoßen, das sich ebenfalls sehr gerne und leicht überall ausbreitet: Den Frauenmantel. Da morgen zudem Weltfrauentag ist, stelle ich heute dieses ausgesprochene Frauen-Heilkraut vor.

 

Nomen est omen: Verstehen wir diese Heilpflanze ruhig als schützenden Mantel, den wir Frauen bei Bedarf um uns legen können. Beispielsweise jeden Monat, wenn die Regelblutung einsetzt. Für viele von uns ist das mit Beschwerden verbunden. Meine Erfahrung: Wenn ich merke, dass es losgeht, trinke ich einen Tee aus Frauenmantel (Blüten und Blätter), und eine Viertelstunde später sind die Beschwerden weg. Einfach so.

 

Dem Frauenmantel wurden in früheren Zeiten magische Kräfte zugeschrieben; nicht umsonst ist sein lateinischer Name Alchemilla vulgaris. Es hieß auch, der Tau, der sich in dem kleinen "Schoß" sammelt, den Frauenmantelblätter bilden, habe mystische Eigenschaften.

 

Frauenmantel kann bei gynäkologischen Störungen aller Art eingesetzt werden. Er zählt zu den wenigen Heilkräutern, die Schwangere anwenden können, wird ihnen sogar empfohlen. Neben der Anwendung als Tee eigenet er sich für Sitzbäder und Scheidenspülungen. Die Pflanze enthält neben Gerbstoffen und Bitterstoffen auch Salicylsäure - das erklärt wohl die schmerzstillende Wirkung. Heute weiß man außerdem, dass der Frauenmantel pflanzliche Hormone enthält und somit bei Wechseljahresbeschwerden hilfreich sein kann.

 

Nach Paracelsus wird der Frauenmantel zur Wundheilung eingesetzt; man kann die Wunde mit dem Absud waschen, den ausgepressten Frischplanzensaft aufträufeln oder das frische, zerquetschte Blatt direkt auf die Wunde auflegen. 

 

Die enthaltenen Bitterstoffe wirken sich positiv auf die Verdauung aus - übrigens auch bei Männern.

 

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Di

01

Mär

2011

Kräuter sammeln

Meine persönliche Devise lautet: Ich sammele Kräuter nur dort, wo sie üppig wachsen. Gibt es nur einen kleinen Bestand, lasse ich diesen in Ruhe - unter wenig optimalen Bedingungen können die Kräuter auch nicht ihre volle Heilkraft entfalten. Und ich sammele immer nur so viel an einer Stelle, dass mindestens ein Drittel des Bestandes stehen bleibt - so haben die Pflanzen eine gute Chance, sich weiter zu vermehren, und den Insekten bleibt ausreichend Nahrung.

 

Ich pflücke möglichst nur unversehrte Pflanzenteile - voll ausgebildete Blüten, Blätter ohne Löcher und Flecken. Zu blasse Blüten und krüppelige oder gar von Schädlingen befallene Pflanzen bleiben stehen.

 

Außerdem achte ich darauf, dass der Standort typisch ist für die jeweilige Pflanze. Manche Kräuter haben Artverwandte, die weniger heilkräftig oder gar giftig sind, und die oft einen etwas anderen Standort bevorzugen. Beispiel: Ackerschachtelhalm und Sumpfschachtelhalm. Im Zweifelsfall - auch wenn ich mir bei der Bestimmung einer Pflanze nicht hundertprozentig sicher bin - verzichte ich lieber auf die Ernte.

 

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Di

01

Mär

2011

Gänseblümchen

Gänseblümchen, Knipsermann, www.piqs.de, some rights reserved
Gänseblümchen, Knipsermann, www.piqs.de, some rights reserved

Augenblumen, Gänseliese, Maßliebchen und Tausendschön nennt sie der Volksmund. Gänseblümchen sind eine der ersten Blüten des Jahres - an geschützten Stellen findet man sie sogar im Winter. Spätestens im Sommer ist dann der ganze Rasen übersät von den kleinen weiß-gelben Blüten. Die übrigens ein guter Wetter-Indikator sind: Sie öffnen sich nur bei Sonnenschein.

 

Früher sagte man, wer die ersten drei Gänseblümchen des Jahres esse, bleibe ein Jahr lang frei von Fieber. Auch Hildegard von Bingen empfahl das Gänseblümchen zur Vorsorge - für gutes Blut und einen klaren Verstand. In der Homöopathie setzt man Gänseblümchen u. a. bei Augenschwäche ein.

 

Gänseblümchen haben eine blutreinigende, schleimlösende und wassertreibende Wirkung. Daher eignen sie sich gut für eine Frühjahrskur - quasi, um den Stoffwechsel anzukurbeln und die Schlacken des Winters auszuscheiden. Man kann die Blätter und die Blüten verwenden - ob als Tee oder im Salat.

 

Generell sind Gänseblümchen eine Bereicherung für die Küche. Sie verschönern Salate, Eierspeisen und belegte Brote. Man kann sie - etwa mit Frischkäse, Zwiebeln und Gewürzen - zu einem gesunden Brotaufstrich verarbeiten. Die Knospen - 2 Wochen in Essig eingelegt - eignen sich auch als Ersatz für Kapern.  

 

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Di

01

Mär

2011

Der Gundermann

Glechoma hederacea, Kristian Peters, Wikimedia Commons
Glechoma hederacea, Kristian Peters, Wikimedia Commons

Gundermann (lateinisch Glechoma hederacea), im Volksmund auch Gundelrebe oder Katzenminze genannt, ist als Unkraut weit verbreitet und gefürchtet. Überall gehe die kleinen Ranken auf, bilden teils meterlange Ausläufer, und wuchern Stauden oder kleine Sträucher regelrecht zu, wenn man sie lässt. Auf dem Rasen bildet der Gundermann hübsche blaue Blütenteppiche, die besonders Hummeln und Schmetterlinge lieben - aber auch Ameisen klettern gerne auf Ranken und Blüten herum.

 

Sobald der Schnee weg ist und die ersten Sonnenstrahlen den Boden erwärmen, ist der Gundermann da. Die ersten vereinzelten Blüten zeigt er schon ab März, im April geht es richtig los, und dann blüht er den ganzen Sommer lang.

 

Ich habe lange gebraucht, bis ich mich mit diesem "Unkraut" angefreundet habe. Klar muss ich den Gundermann im Zaun halten - sonst wächst er mir alles zu. Aber ich habe in diesem Fall eine wunderbare Art der Unkrautbekämpfung entdeckt: Vertilgen. Sprich: Essen. Die jungen Blätter - vorzugsweise das obere Drittel der Pflanze - sind sehr würzig und schmecken herrlich im Salat. Die milderen Blüten geben eine schöne, essbare Dekoration ab - für Salate, Rohkost-Teller, aber auch auf Kartoffelpüree. Vom Vitamin C-Gehalt und den verdauungsfördernden Bitterstoffen ganz zu schweigen.

 

In der Volksheilkunde hat der Gundermann eine lange Tradition. Beispielsweise wurde er Kühen verabreicht, die keine Milch geben wollten. Hildegard von Bingen empfahl, bei Ohrensausen gekochten Gundermann aufzulegen. In der TCM empfiehlt man ihn bei Beschwerden von Blase, Dickdarm und Lunge. 

 

In meiner Tee-Sammlung ist der Gundermann vor allem aus einem Grund vertreten: Er hat eine schleimlösende Wirkung, hilft bei Schnupfen und Husten. Auch wenn mich der Heuschnupfen packt und die Nase völlig "zu" ist, lindert Gundermann die Beschwerden. Am Besten hilft er natürlich "frisch". In manchen Rezepten wird er in Milch gekocht statt mit Wasser überbrüht - Gundermann-Milch mit Honig tut bei Schluckbeschwerden richtig gut.

 

Übrigens kam der Gundermann - bevor unsere Vorfahren damit begannen, Hopfen zu kultivieren - bei der Herstellung von Bier zum Einsatz.

 

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Fr

18

Feb

2011

Kräutertee richtig zubereiten

Als Faustregel für die Zubereitung eines Kräutertees gilt Folgendes:

 

Man verwendet kein kochendes, sondern siedend heißes Wasser. Das bedeutet, dass man Wasser für den Tee aufkocht, dann aber einen Moment wartet, bis es nicht mehr sprudelt, sondern nur noch kleine Bläschen aufsteigen. Jetzt ist der Siedepunkt erreicht und die vorbereiteten Kräuter können überbrüht werden.

 

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Ziehzeiten wie folgt:

- 3 Minuten für Blüten

- 5 Minuten für Blätter

- bis zu 10 Minuten für holzige Bestandteile wie Stengel, Samen, Früchte, Rinde und Wurzeln

 

Manche Kräuter, wie Fenchelsamen, werden mit kaltem Wasser aufgesetzt, zum Kochen gebracht, und dann lässt man sie bis zu 15 oder gar 30 Minuten am Siedepunkt ziehen.

 

Anmerkung: Je länger ein Kraut zieht, desto mehr Bitterstoffe werden freigesetzt. Im Zweifelsfall sollte man also ruhig auch auf seinen Gaumen hören.

 

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Fr

18

Feb

2011

Veilchen

Wie ich dufte, dorisalb, www.piqs.de, some rights reserved
Wie ich dufte, dorisalb, www.piqs.de, some rights reserved

Das Veilchen (viola odorata), auch Märzveilchen genannt, ist eine unscheinbare kleine Frühlingsblume. Aber wow, was für ein Duft! So duftet für mich der Frühling - nach Veilchen!

 

Diese zarte violette Blüte, die ihrer Farbe den Namen gab, schafft etwas, das man ihr auf den ersten Blick nicht zutraut: Sie treibt trotz Kälte und Resten von Winterschnee aus und bildet als eine der ersten Blumen des Jahres an Waldrändern, auf Waldlichtungen und an halbschattigen Stellen in Feld und Flur dichte, duftende Blütenteppiche. Eine Wohltat für Mensch und Tier.

 

Es hat seine Gründe, warum das Veilchen so früh wächst. Denn der Übergang vom Winter zum Frühling bringt häufig Erkältungen mit sich - die ersten Sonnenstrahlen verleiten uns dazu, leichtsinnig zu sein und uns zu unterkühlen. Jetzt kommt das Veilchen zum Einsatz: Es hilft bei Halsschmerzen, löst den Husten und kräftigt die Stimme. Veilchenblütentee hat eine schöne lila Farbe und kann nach Wunsch mit Honig gesüßt werden.

 

In alten Rezepturen wird das Veilchen gegen Fieber eingesetzt, soll das Herz stärken und - in Form von (echtem!) Veilchenöl oder Veilchenwasser in die Schläfen einmassiert - gegen Kopfschmerzen helfen. Hildegard von Bingen zählte es sogar zu den Krebsheilmitteln.

 

Konditoren schätzen Veilchen als natürliches Färbemittel sowie kandiert als Dekoration für Torten. Aus Veilchenblüten lassen sich Sirup, Gelee, Essig, Sorbet und mehr herstellen. Mein persönlicher Favorit: Frisch gepflückte Veilchenblüten unter grünen Salat mischen, zusammen mit anderen Frühlingskräutern wie jungen Blättern von Gundelrebe, Löwenzahn, Sauerampfer und Giersch sowie den ersten Blüten vom Gänseblümchen. Das sieht toll aus, schmeckt würzig, strotzt vor Vitaminen und entschlackt.

 

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Fr

18

Feb

2011

Die Brennessel

Brennessel, forry, www.piqs.de, some rights reserved
Brennessel, forry, www.piqs.de, some rights reserved

Bei vielen Menschen gilt Brennessel als lästiges Unkraut. Sie wächst quasi überall - und meist dort, wo man sie nicht haben möchte. Hat sie einmal Fuß gefasst, ist sie nicht mehr auszurotten. Und das Schlimmste: Sie "sticht", nesselt, und das brennt dann fürchterlich auf der Haut.

 

Der schlechte Ruf der Brennessel mag auch damit zu tun haben, dass sie als Hexenkraut galt. Sie ist als Heilkraut dem Mars zugeordnet, weckt die Feuerenergie eines Menschen - die Willenskraft, die Wut, die "innere Kriegerin". Sie galt früher als Gegengift gegen manche giftigen Kräuter und Pilze, sogar gegen Schlangen- und Skorpion-Bisse. Im abergläubischen Mittelalter genügte das, um die Pflanze - und die, die sie einsetzten - zu verteufeln.

 

Dabei ist die Brennessel eine sehr heilkräftige Pflanze. Sie enthält Vitamine, Gerbstoffe und Eisen. Sie unterstützt die Blutbildung und kann bei Eisenmangel helfen. Sie fördert die Nierentätigkeit, erhöht die Harnmenge und senkt den Harnsäurespiegel im Blut. Weniger bekannt ist ihre blutstillende und schleimlösende Wirkung. 

 

In Form von Brennessel-Jauche ist sie ein wunderbarer (wenn auch übelriechender) und natürlicher Dünger - und macht gleichzeitig die so gedüngten Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Früher ließ man sie sogar neben Rosen wachsen und hielt dadurch Schmeißfliegen (und vor allem deren Nachwuchs) von diesen Blumen fern.

 

Man kann Brennesseln essen oder trinken. Am Bekanntesten ist Brennessel wohl in Form von Brennesseltee, oft angewandt als entschlackende Frühlingskur oder in Ergänzung zu einer Diät . Brennessel-Blätter ergeben aber auch einen wunderbaren Spinat (versuchen Sie mal, sie unter "richtigen" Spinat zu mischen!) und passen gut in Kräuter-Risotto, Kräutersuppen oder Eintöpfe.

 

Ihre Eigenschaft, zu "nesseln", machten sich übrigens die römischen Soldaten zunutze: Sie rieben sich mit Brennesseln ein, um sich vor Rheuma und steifen Gelenken zu schützen.

 

PS.: Wer Brennesseln erntet, sollte darauf achten, nur den oberen, jungen Teil der Pflanze zu pflücken. Dabei die Blätter nie "gegen den Strich" der feinen Härchen anfassen - wer zur Blattspitze hin über ein Brennesselblatt streichelt, wird nicht genesselt. Hat es einen doch erwischt, hilft Sauerampfer: Einfach ein Sauerampfer-Blatt rollen, so dass Blattsaft austritt, und dann über die "genesselte" Hautpartie reiben.

 

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Mi

09

Feb

2011

Wichtiger Hinweis

Wie bei allen Hausmitteln, so gilt auch für Heilkräuter: Nicht Jede(r) verträgt alles, und zu Risiken und Nebenwirkungen beraten ÄrztInnen oder ApothekerInnen!

Wer zu Allergien neigt, sollte sich mit dem Heilpraktiker bzw. der Ärztin ihres/seines Vertrauens besprechen, bevor sie oder er Heilkräuter einsetzt (so kann u. a. Kamille als Kreuzblütler Heuschnupfen auslösen).

Schwangere Frauen sollten beim Einsatz von Heilkräutern sehr vorsichtig sein – viele wirken ausleitend und können dadurch zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen.

Finger weg auch von Pflanzen, die sich nicht genau identifizieren lassen oder die an Standorten wachsen, die nicht ihrer Natur entsprechen – es kann sich um eine giftige Artverwandte handeln (wie bei Ackerschachtelhalm und Sumpfschachtelhalm).

Und: Wer heftige Symptome hat, wer über längere Zeit krank ist, oder bei wem nach einer Woche Selbstmedikation keine deutliche Besserung eintritt, der braucht professionelle Hilfe!

 

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Mi

09

Feb

2011

Schwarzer Holunder

Holunderbeeren, Annie, www.piqs.de, some rights reserved
Holunderbeeren, Annie, www.piqs.de, some rights reserved

Sambucus nigra, der Schwarze Holunder, ist in ganz Europa verbreitet; viele Erzählungen und Sagen ranken sich um ihn. Holunderblüten sollen böse Geister vertreiben, Diebe fernhalten, Glück bringen. Auch für mich ist „Frau Holle“, wie ich den Strauch liebevoll nenne, etwas Besonderes – spätestens im Frühjahr, wenn sich die wunderschönen großen Blütendolden geöffnet haben und es bei jedem Windstoß weiße Blüten „schneit“. Sein intensiver Duft tut mir einfach gut.

 

In meiner Kräutersammlung finden sich getrocknete Holunderblüten, Holunderblütensirup und Holunderbeerensaft, die mir insbesondere in der Erkältungssaison gute Dienste leisten. Holunder wirkt schweißtreibend und schleimlösend, harntreibend und beruhigend.

 

Ich trinke Holunderblüten als Tee, um Erkältungen auszuschwitzen und Fieber zu senken. Ein Gesichtsdampfbad mit Holunderblüten befreit die Nebenhöhlen und pflegt nebenbei die Haut. Holunderbeerensaft ist reich an Vitaminen und unterstützt so die körpereigenen Abwehrkräfte. Und da Holunder eine leicht sedierende Wirkung hat, tut er bei Stress wie auch bei seelischen Verstimmungen gut: Eine Tasse Holunderblütentee am Abend beruhigt die Nerven und hilft beim Einschlafen.

 

Holunder ist auch in der Küche beliebt. Aus Blüten und Beeren lassen sich schmackhafte und zart duftende Gelees und Liköre herstellen; Fortgeschrittene "brauen" Holunderwein und Holunderblütensekt. Blüten- oder Beerendolden, durch Bierteig gezogen und in Fett ausgebacken, sind mit Vanillesauce oder Vanilleeis serviert ein leckerer Nachtisch. Das Beste an all diesen guten Sachen ist: Sie schmecken nicht nur gut, sie tun auch gut.

 

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Mi

09

Feb

2011

Der Beifuß

Beifuß mittendrin
Beifuß mittendrin

Wäre Beifuß nicht ein traditionelles Gewürz für die ebenso traditionelle Weihnachtsgans, wäre er bei Vielen von uns vermutlich bereits in Vergessenheit geraten. Dabei war Beifuß unseren Vorfahren heilig und galt als eines der stärksten Heilkräuter überhaupt.

 

„Ältestes Kraut, Du hast Kraft für drei, und dreißig übertriffst Du gegen alle Gifte...,“ so steht es im Lacnunga, einer angelsächsischen Schrift über Kräuterheilkunde. Hinter dieser Aussage verbirgt sich die Fähigkeit des Beifußes, die Lebertätigkeit anzuregen – und somit die Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Körper zu unterstützen.

 

Beifuß wirkt Stoffwechsel-anregend, appetitanregend, blutreinigend und entzündungshemmend. Er hilft insbesondere jungen Frauen gegen Menstruationsbeschwerden. Außerdem unterstützt er die Verdauung - durch seine Bitterstoffe fördert Beifuß insbesondere die Fettverdauung und hilft gegen Übelkeit. Das erklärt auch seinen Einsatz beim besagten Gänsebraten. Eine Tasse Beifuß-Tee nach einem fettreichen Essen ist somit ein ausgezeichneter „Digestif“.

 

Unsere Vorfahren waren auf die „innerlich desinfizierende“ Wirkung von Kräutern wie Beifuß angewiesen. Sie hatten weder Kühlschrank noch Gefrierfach, und die hygienischen Zustände vergangener Jahrhunderte ließen sehr zu wünschen übrig. Entsprechend schnell verdarben Lebensmittel, und nicht immer merkte man das. Der tägliche und reichliche Einsatz von Kräutern konnte verhindern, dass die Auswirkungen von verdorbenem Essen allzu heftig wurden.

 

Ich selbst verwende Beifuß in erster Linie als Tee und trinke ihn beispielsweise im Frühjahr 2 Wochen lang täglich, um den Stoffwechsel nach dem doch eher trägen Winter wieder anzukurbeln. Dazu übergieße ich das getrocknete Kraut mit heißem Wasser, das bereits gekocht hat, aber nicht mehr sprudelt, und lasse den Tee 5 Minuten ziehen.

 

Sehr gefreut habe ich mich über einen Bericht im Fernsehen: In Afrika wird im Rahmen einer Kooperative die dort heimische Variante des Beifuß angebaut, um damit Malaria zu bekämpfen. Da der Großteil der Bevölkerung sich die teuren Medikamente gegen Malaria nicht leisten kann, greift man auf dieses kostengünstige Heilkraut zurück. Eine tolle Sache!

 

Vorsicht:

Beifuß kann Monatsblutungen auslösen und sollte daher von Schwangeren nicht eingenommen werden!

In manchen Quellen wird außerdem empfohlen, bei hohem Blutdruck auf die Einnahme von Beifuß zu verzichten.

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